Erst die Werte, dann die Grundrisse – wie das Team von «Im Sinda» ein Quartier mit Profil entwickelt
Auf einer ehemaligen Obstwiese in Buchs SG soll ein Wohnquartier entstehen, das mehr ist als Wohnraum:
sozial durchdacht, ökologisch vorbildlich und wirtschaftlich tragfähig. Ein Einblick in den Planungsprozess.
Die Parzelle 2739 in Räfis, Buchs SG, hat einen langen Weg hinter sich. Nachdem der Entwicklungsprozess 2010 gestartet wurde, liegen seit 2017 ein Überbauungsplan und seit 2020 die Erschliessungsplanung vor. Wäre die Parzelle dann verkauft worden, wäre sie heute sicherlich schon überbaut.
Doch die Erbengemeinschaft wollte herausfinden, ob es möglich ist, eine Überbauung mit Charme zu entwickeln und beschloss, die Zukunft ihres 5'435 m² grossen Grundstücks aktiv zu gestalten – gemeinsam mit dem Büro AMJGS Architektur, Zürich.
Das Ergebnis heisst «Im Sinda». Fünf Gebäudevolumen gruppieren sich um einen gemeinsamen Innenhof – die lebendige Mitte eines neuen Quartierteils. Geplant sind 36 Einheiten, vom Studio bis hin zu Reihen-und Doppelhäusern. Ergänzt wird das private Wohnen durch einen Gemeinschaftsraum, eine Werkstatt, einen Waschsalon und grosszügige Aussenräume. Alles mit dem Ziel, den Alltag der künftigen Mieterschaft zu bereichern.
Werte zuerst – das Siedlungsprofil
Bevor Grundrisse gezeichnet wurden, stellte sich das Team eine ungewohnte Frage: Was soll dieses Quartier eigentlich sein? In zwei intensiven Workshops erarbeiteten Bauherrschaft und Architektur gemeinsam Absichtserklärungen und ein Siedlungsprofil – visualisiert in einem Spider-Diagramm.
Siedlungsprofil IM SINDA – Arbeitstreffen vom 22.01.2025 (AMJGS Architektur)
Das Diagramm zeigt: Ökologie und sozialer Raum sind die ausgeprägten Stärken – mit besonderem Gewicht auf hoher Biodiversität, schonendem Ressourcenumgang und gelebter Nachbarschaft. Die Rendite ist gewichtet, aber nicht dominant. Ein Statement, das nicht selbstverständlich ist.
Da selbst die nachhaltigsten Bauweisen ihr ökologisches Potenzial einbüssen, wenn der Flächenverbrauch pro Kopf zu gross wird, wurde diese Variable hoch gewichtet. «Weniger privater Raum ist okay, wenn dafür mehr Gemeinschaftsfläche besteht» – dieser Satz aus dem Workshop beschreibt die Haltung präziser als jedes Leitbild.
Referenzen auf Augenhöhe
In Ergänzung zur Arbeit am Reissbrett, fuhr das Team zu Projekten, die ähnliche Fragen bereits beantwortet haben: die Siedlung Waldacker in St. Gallen (Holzbau, SNBS Platin), die selbstverwaltete SeGeWo ebendort, das Hanfkalk-Passivhaus «openly» in Widnau und eine Permakultur-Wohnsiedlung in Egg. Was an diesen Objekten besonders gefiel, wurde auf dem Weg nach Hause vertieft.
Was entsteht
«Im Sinda» soll kein Vorzeigeprojekt sein, das sich selbst feiert. Es soll ein Areal werden, auf dem gelebt wird: mit dem Lastenrad über den Quartierplatz, vorbei am Brunnen, durch den lauschigen Innenhof. Bunt begrünte Dächer für die Wildbienen, eine PV-Anlage für den eigenen Strom, Regenwasserretention zur Entlastung der ARA, ein Ping-Pong-Tisch bei den Besucherparkplätzen – all das ist geplant.
Die Erbengemeinschaft übergibt das Grundstück im Sommer 2026 an eine neu gegründete Familien-AG. Der nächste Schritt ist das Bauprojekt. Aus einer Vision entsteht Konkretes.